Magnesium Überdosierung: Symptome und Dosierung

Clemens
24. Mai 2019

Ist eine Magnesium Überdosierung möglich?

Magnesium ist einer der wichtigsten Nährstoffe für den Körper und einer der Mangelnährstoffe in Deutschland. Für viele bietet es sich daher an, mit dem Mineralstoff zu ergänzen. Doch kann man auch zu viel nehmen? Ist eine Magnesium Überdosierung (Hypermagnesiämie) möglich? Das erfährst du hier.

Dieser Beitrag ist ein Gastbeitrag von Martin Auerswald von SchnellEinfachGesund. Wir danken Martin an dieser Stelle ganz herzlich.

Was ist Magnesium?

Bevor wir uns an das Thema Magnesium Überdosierung wagen, möchte ich gerne alle Leser abholen: Was ist Magnesium?

Magnesium ist ein Mineralstoff, der über die Ernährung zugeführt werden muss. Neben Eisen und Kalzium ist es der häufigste kationische Mineralstoff (positive Ladung als Ion) im menschlichen Körper.

Magnesium ist ein wichtiger Co-Faktor bei etwa 300 Stoffwechselreaktionen, wie die Aktivierung von Muskeln, bei der Produktion von Magensäure, oder bei der Bildung von Hormonen in der Nebenniere.

Darüber hinaus stabilisiert Magnesium das ATP – die zentrale Energiewährung des Körpers. Wann immer also Energie fließt, wird Magnesium benötigt. Das bedeutet, dass sich ein Mangel sehr negativ auf Leistung und Wohlbefinden auswirkt, wenn nämlich zu wenig Energie da ist. Das spürst du dann, wenn die Muskeln nicht mehr so recht mitspielen, Essen nicht gut verdaut wird, du schlecht schläfst und tagsüber müde bist.

magnesium citrat

Bedarf – Zufuhr – Supplementation

Theoretisch kann dich eine nährstoffreiche Ernährung mit allem versorgen, was dein Körper benötigt. Praktisch ist das unmöglich, dazu müsstest du eine zu große Menge an Nahrungsmitteln jeden Tag essen. Der heutige Mensch verbringt den Großteil seiner Arbeitszeit sitzend und mit wenig körperlichen Anstrengungen. Noch bis vor 100 Jahren verbrachte der Durchschnittsmensch seinen Arbeitstag mit stehenden und gehenden Arbeiten mit vielen körperlichen Aktivitäten (ganz klassisch: Feldarbeit).

Der Kalorienbedarf war früher höher und es wurde insgesamt mehr gegessen – auf diesem Wege haben Menschen damals von Haus aus mehr Nährstoffe aufgenommen.

Hinzu kommt, dass unsere Landwirtschaft in den letzten 100 Jahren immer mehr industrialisiert wurde und durch Dünger und Züchtung der Nährstoffgehalt von Boden und Produkten immer mehr abgenommen hat. Ein Brokkoli heute enthält nicht mehr so viel Magnesium wie sein früherer, kleinerer und „Bio“ gewachsener Cousin aus dem Jahre 1850.

Diese Punkte zusammengefasst verdeutlichen, warum es heute häufiger zu Magnesiummangel kommt – weil unser Leben heute anders aussieht als früher und der Gehalt in Lebensmitteln immer mehr nachgelassen hat.

Bist du dann noch sportlich aktiv und/oder verbringst den Tag mit viel Denkarbeit, ist ein Magnesiummangel sehr wahrscheinlich.

Magnesium Lebensmittel

Neben rotem Fleisch sind es besonders grünes Gemüse und grüne Salate, die Magnesium enthalten. Um den Tagesbedarf aus diesen Quellen zu decken, müsstest du jeden Tag 400 g „Grünzeug“ und etwas rotes Fleisch essen. Die meisten schaffen das nicht – wenn dann noch ein Magnesiummangel auftritt, empfiehlt sich eine Nahrungsergänzung.

Bei der Einnahme isolierter Nährstoffe wie Magnesiumcitrat und -bisglycinat haben viele Menschen die Sorge, dass es zu einer Überdosierung kommt. Ist eine Magnesium Überdosierung möglich und wenn ja, wie bemerkst du sie? 

Magnesium Überdosierung

Magnesium wird wie die meisten Mineralstoffe im Dünndarm über spezifische Ionenkanäle aufgenommen. Die Aufnahme in den Körper ist von der Sättigung des Körpers abhängig – je höher der Bedarf des Körpers, desto mehr Ionenkanäle werden im Darm gebildet, um das Magnesium aus der Nahrung aufzunehmen.

Ab einem bestimmten Punkt nimmt der Körper kaum Magnesium mehr auf. Das ist der Fall, wenn die verschiedenen Gewebe im Körper und besonders das Blut als zentraler Transporter, maximal abgesättigt sind. Bei einem Serumwert von 1 mmol/l in etwa (wobei gesagt werden sollte, dass der Serumwert sehr ungenau ist und der Gehalt in roten Blutkörperchen genauer ist).

Orale Aufnahme in Kapsel- oder Pulverform

in der wissenschaftlichen Literatur sind nur Einzelbeispiele bekannt mit Personen, die ein paar Gramm Magnesium auf einmal aufgenommen haben und eine vorherige Nierenschädigung hatten.

In normaler Konzentration als Nahrungsergänzung sind Überdosierungen nicht bekannt – wir sprechen hier von 300-600 mg täglich. Bei vorbedingter Nierenerkrankung und fortgeschrittenem Alter ist von einzelnen Beispielen bekannt, bei denen entweder zu viel Bittersalz (Magnesiumsulfat) oder Magnesiumoxid genommen wurde. In beiden Fällen ein paar Gramm, wie bei einer Anwendung als Abführmittel üblich.

Der einzige Fall einer toxischen Magnesiumüberdosierung (Hypermagnesiämie) ist also der, wenn es als Abführmittel eingenommen wurde, eine Nierenerkrankung schon vorliegt, und wahrscheinlich zu wenig getrunken wurde. Von einer anderweiten Magnesium Überdosierung ist nichts bekannt.

Infusion oder liposomal

Vereinzelt lassen sich Menschen Magnesium-Infusionen geben – im Krankheitsfall, oder zur Optimierung. Zusätzlich gibt es seit ein paar Jahren die Technologie, Nährstoffe in Liposomen (Fett-Mizellen, die von der Oberfläche her Zellen und Vesikeln ähneln) zu verpacken.

Auch liposomales Magnesium gibt es schon – damit kann Magnesium unabhängig von Ionentransportern im Dünndarm aufgenommen werden.

In diesem Fall kann es sein, dass der Körper mehr Magnesium aufnimmt, als ihm recht ist. Was passiert dann? Kann es dann zu einer Magnesium Überdosierung kommen?

Nur in vereinzelten Fällen. Magnesium ist ein wasserlöslicher Mineralstoff und wird im Blut frei transportiert. Wenn alle Gewebe im Körper abgesättigt sind (auch die Speicher), und der Serumspiegel erhöht ist, landet das Zuviel üblicherweise im Urin und wird ausgeschieden.

Da muss die Niere ein wenig mehr arbeiten, in der Regel hat sie dabei kein Problem. In einzelnen Fällen gibt es in der Literaturfälle, bei denen eine Infusion mit 5 Gramm Magnesium (als Magnesiumsulfat) einen Nierenschaden ausgelöst hat. Doch das ist in etwa das Zehnfache, das ein Normalsterblicher als Nahrungsergänzung nimmt.

Anders ist es mit fettlöslichen Nährstoffen, die im Fettgewebe gespeichert werden können. Dabei kann es im Extremfall zu Überdosierungen kommen. Nicht so bei Magnesium.

Der Körper kann nicht mit dem Mineralstoff überladen werden, dafür gibt es körpereigene Schutz- und Ausscheidungsmechanismen. Oral (als Nahrungsergänzung) wird in der Regel der Anteil Magnesium, der im Dünndarm nicht aufgenommen wird, weiter Richtung Dickdarm geschleust.

Was dann passiert, wollen wir uns kurz genauer ansehen:

Magnesium Wasser Einnahme

Magnesium Überdosierung Symptome

Eine Überdosierung ist es streng genommen nicht, aber man merkt an bestimmten Symptomen, dass der Körper genug hat. Nennen wir es vereinfachend eine Magnesium Überdosierung – indirekt.

Das Zuviel an Magnesium über Nahrung oder Nahrungsergänzung wird im vorderen Bereich des Dünndarms nicht aufgenommen und Richtung Dickdarm geschleust. Dabei aktiviert Magnesium die im Dünndarm-Epithel sitzenden interstitiellen Zellen von Cajal – diese Zellen sind für die Darmperistaltik zuständig.

Das Magnesium aktiviert die Cajal-Zellen und die Darmperistaltik nimmt stark zu. Außerdem bindet Magnesium Wasser und erhöht das Stuhlvolumen.

Kannst du dir denken, was gleich passiert? Bei dieser Art von Magnesium Überdosierung, bei der du erkennst, wann der Körper genug hat, kommt es zu Durchfall. Daher ist Glaubersalz (Magnesiumsulfat) auch so ein beliebtes Abführmittel: Man nimmt dabei mehrere Gramm (!) Magnesium in der Form von Magnesiumsulfat ein.

Der Körper nimmt davon natürlich nur einen Bruchteil auf, der Großteil geht durch den Darm durch und kommt mit Durchfall hinten wieder raus. Als Abführmittel sehr bewährt und effektiv.

Das Interessante an dieser darm-aktivierenden Wirkung von Magnesium ist, dass du es dir zunutze machen kannst, um deinen Körper maximal mit Magnesium „aufzufüllen“:

Das Magnesium Protokoll

Greife auf ein hochwertiges Nahrungsergänzungsmittel zurück (wie Magnesiumcitrat oder -bisglycinat, kein -oxid oder -carbonat) und nimm alle 2-3 Stunden eine Kapsel Magnesium. So müsstest du am Tag auf eine Menge von circa 600-800 mg Magnesium kommen.

Nach ein paar Tagen wird dein Körper irgendwann abgesättigt sein und merken, dass es reicht. Das wirst du dann daran merken, dass dein Stuhl dünnflüssiger wird.

Das Gute daran: Du brauchst keinen Blutserum-Wert messen lassen – Magnesium kannst du so recht schnell und verlässlich auffüllen und weist, wann das Maximum erreicht ist. Vor einer richtigen Magnesium Überdosierung brauchst du dich dabei nicht fürchten, der Körper hat sich in der Hinsicht abgesichert.

Abnehmen

Magnesium Überdosierung um schneller abzunehmen? Das können wir auf keinen Fall empfehlen. Auch wenn hohe Dosen an Magnesium abführend wirken sollte man dies nicht nutzen um abzunehmen. Man mag vielleicht kurzfristig schnell Gewicht verlieren aber langfristig ist es keine zielführende Strategie.

Stattdessen ist die richtige Kalorienzufuhr, ausreichend Sport und Bewegung sowie eine allgemeine gesunde Lebensweise zu empfehlen. Das ist wesentlich besser für den Körper und auch nachhaltiger

Zusammenfassung

Magnesium ist für den Körper unverzichtbar und für dein Wohlbefinden eine tragende Säule. Die meisten Menschen haben heutzutage einen Magnesiummangel und würden von einer Erhöhung grüner Nahrungsmittel oder von einer Nahrungsergänzung profitieren.

Die Angst vor einer Magnesium Überdosierung ist nicht gerechtfertigt, weil der Körper Schutzmaßnahmen hat, um sich davor zu schützen. Wenn zu viel von dem Mineralstoff in den Kreislauf gelangt, wird er über die Niere ausgeschieden – im Darm wird er irgendwann gar nicht erst aufgenommen.

Wann der Punkt im Darm erreicht ist, merkst du daran, dass sich dein Stuhlgang ändert, hin zu flüssig. Dann weist du, dass dein Körper genug hat und du die Dosis wieder reduzieren /anpassen solltest.

Quellen:

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  • Shoaib Khan M1, Zahid S2, Ishaq M3. Caspian J Intern Med. 2018 Fall;9(4):413-415. doi: 10.22088/cjim.9.4.413. Fatal Hypermagnesemia: an acute ingestion of Epsom Salt in a patient with normal renal function. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30510660)
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